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Montag, Februar 12, 2007

Filmempfehlung - Chokher Bali




Chokher Bali ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Rabindranath Tagore, einem Nobelpreisträger, der wie kaum ein anderer die menschliche Natur ergründen konnte.

Die Geschichte spielt im 19Jh. Die junge und schöne Binodini verwitwet nach nur einem Jahr Ehe. Gebildet und voller Übermut will sie sich der Rolle, die die indische Gesellschaft den Witwen zugedacht hat, nicht anpassen. Hin und her gerissen zwischen Lebenslust und gesellschaftlichen Erwartungen folgt sie der Einladung einer Verwandten und beginnt in ihrem Haus zu leben. Dort begegnet sie der zarten, etwas naiven Asha und ihrem Ehemann Mahendra – einem Lebemann, der aus dem Vollen schöpft. Asha und Mahendra sind frisch verheiratet und steuern auf eine glückliche, häusliche Zukunft hin. Und da gibt es noch Bihari, Mahendras Bruder, der sich dem Freiheitskampf verschrieben hat.

Binodini und Asha befreunden sich. Binodini fühlt sich jedoch der ungebildeten Asha in jeder Beziehung überlegen. Sie erträgt auch die Vorstellung nicht, dass sie an Ashas Stelle hätte sein können - da sie einmal Ashas Mann versprochen war und abgelehnt wurde.

Binodini ist die Verführerin, die ihren Schicksal nicht annehmen will. Asha die kindhafte Ehefrau, die am Ende doch die Kontrolle behält. Mahendra ein Lebemann, der zu schwach ist um den Verlockungen des Lebens zu widerstehen. Bihari ist der standhafteste Charakter und die Stimme der Moral - einer sehr klaren und verständnisvollen Moral jedoch, die nicht verurteilt und die losgelöst ist von den gängigen gesellschaftlichen Vorstellungen. Man könnte sie auch "spirituelle Moral" nennen. Die Charakteure haben viele Facetten und sind zu keinem Zeitpunkt schwarz-weiss.

Der Film ist von poetischer und sanfter Schönheit und überzeugt mit Bildern von starker Ausdruckskraft.


Tagores Blick auf die weibliche Psyche ist zeitlos. In seiner Erzählform stellt er die Psychologie über die Handlung und thematisiert den Konflikt zwischen sozialer Moral und emotionaler Freiheit.

Im Vorwort zu seinem Buch sagt er:

„The literature of the new age seeks not to narrate a sequence of events, but to reveal the secrets of the heart. Such is the narrative of Chokher Bali”.

Leela

Dienstag, Oktober 10, 2006

Filmempfehlung - Ein Leben für die Freiheit


Dokumentarfilm über das Leben von Shri Mataji Nirmala Devi
TV Ausstrahlung: BR 22.10.2006, 23.00


Intimes Porträt der spirituellen Meisterin und ein Einblick in die Geschichte des indischen Unabhängigkeitskampfes.

Dieser Dokumentarfilm der jungen Filmemacherin Carolin Dassel beschäftigt sich mit dem Leben von Shri Mataji Nirmala Devi, die als die Begründerin von Sahaja Yoga bekannt ist. Der Film zeichnet einige Stationen ihres ereignisreichen Lebes nach. Es ist dies nach "Time and Space" das zweite Filmportrait der Filmemacherin über eine ungewöhnliche Frau aus dem indischen Subkontinent. Schöne, bewegte Kameraeinstellungen transportieren den Zuschauer nach Indien, an den Schauplatz der Kindheit und Jugend Nirmala Devis, deren Eltern an der Seite von Mahatma Gandhi in der gewaltlosen Freiheitsbewegung gegen die britische Kolonialherrschaft kämpften. Interviews mit Zeitzeugen, Verwandten und Anhängern Shri Matajis zeichnen ein vielseitiges Bild der Frau, die an der Seite eines hohen UNO- Diplomaten ihre traditionelle Rolle als Mutter und Hausfrau erfüllte, dann aber eine Bewegung begründete, deren Anhänger nicht nur in Indien, sondern auf allen Kontinenten zu finden sind. Ihre Mission ist die spirituelle Emanzipation der Menschheit, kein bescheidener Anspruch. Shri Mataji nahm sich Zeit ihres Lebens kein Blatt vor den Mund, eine Haltung, die ihr viele Verehrer aber auch Kritiker gebracht hat. Ein faszinierender Fernsehabend, für den es wert ist, Sonntagabend etwas länger aufzubleiben.
Filmtrailer
Film-Website
Bayrischer Rundfunk Ein Leben für die Freiheit

Freitag, September 22, 2006

Filmempfehlung: Mädchen aus dem Wasser


Die Filmkritiker haben ihn zerrissen, den neuen Film von M. Night Shyamalan. Ich finde ihn großartig: Ein Märchen in einem ganz realistischen amerikanischen Mittelklassehotel/ Wohnkomplex angesiedelt. Sehr gewagt, weil sehr spirituell, mit einem großen Happy End, und einer wunderbaren Conclusio: Nur die Kraft des Kollektivs kann eine Nymphe retten und nur die reine Liebe kann Wunden heilen. Klar dass die Filmkritiker da aussteigen, vor allem, wenn im Film noch ein Filmkritiker von einem werwolfartigen Monster, dem Feind der Nymphe, gefressen wird.

Kurzinhalt:
Es geht um eine ganz besondere Nymphe, ein Wesen aus einer noch intakten Welt, das über das Kanalsystem eines Hotelswimmingpool gekommen ist, Kontakt zu einem bestimmten Menschen aufzunehmen, weil es ihm die Erleuchtung bringen muss. Der ungeschickte, aber liebenswerte Hotelwart (gespielt von Paul Giamatti, bekannt aus "Sideways") ist der erste der die Nymphe (Bryce Dallas Howard) erkennt; er macht es sich zur Aufgabe ihr zu helfen, ihre Aufgabe zu erfüllen und ihr Leben zu beschützen.

Doch das Leben der Nymphe ausserhalb ihres flüssigen Reiches steht permanent unter Gefahr - nur durch die Mobilisierung der Hotelbewohner und der richtigen Aufgabenverteilung im Kampf gegen die "Skunts" gelingt es die Mission und das Leben der Nymphe zu bewahren. Am Ende ist es die Liebe des Hotelwartes, die die schweren Wunden nach dem ersten fehlgeschlagenen Rückkehrversuch heilt; und langsam beginnen sich auch die Kluften in seinem Herzen zu schließen, denn er hat ein schweres Trauma zu bewältigen. Nebenbei wird auch die Distanz und Isolation der Hotelbewohner zueinander immer kleiner.

Kein Horrorfilm, wie es vielleicht am Plakat erscheint sondern ein ganz normales Märchen; mit bösen Tieren wie werwölfischen "Skunts" und affenmäßigen Baumgespenstern.

Auf Celluloid gebannt wurde der Film von einem der besten Kameramänner der Welt, dem Exil-Australier Chris Doyle: "Everyone knows I’m in love with my actresses, and there are films that have celebrated that. In Chinese, you would say that great actresses radiate chi: energy. Unless you’re a total buffoon, you can’t get it wrong. You have to celebrate chi, but it’s not about lighting, it’s about affection, reassurance, complicity, sharing something. It’s not academic, it’s intimate. The right angle is the most vulnerable angle."

Jetzt in vielen Kinos, auch in Originalfassung.
Viel Vergnügen wünscht euch Sonja
Trailer und mehr zu Mädchen aus dem Wasser

Freitag, August 04, 2006

Filmempfehlung Omkara - Othello aus Bollywood


Omkara - das ist 'Othello' made in Bollywood mit Starbesetzung.
Ort: Hollywood Megaplex Kino- SCN Wien
Zeit: 6.8.06, 14h45 und 18h
Anm: englische Untertitel

Director: Vishal Bharadwaj
Cast: Ajay Devgan, Saif Ali Khan, Kareena Kapoor, Konkona Sen Sharma,
Vivek Oberoi, Naseeruddin Shah, Bipasha Basu
Lyrics: Gulzar
Mehr Infos gibts auf der offiziellen website Omkara

empfohlen von Shantanu

Samstag, Mai 27, 2006

Filmempfehlung - Unser täglich Brot


Der Österreicher Nikolaus Geyrhalter hat mit "UNSER TÄGLICH BROT" meiner Meinung nach ein großartiges Filmwerk geschaffen, das in einer rein beobachtenden Perspektive vom Umgang mit Mutter Erde, Bruder Mensch und Gevetter Tier erzählt. In dem er Minute um Minute stattfindende, paneuropäische Produktionsprozesse in der Landwirtschaft konstatiert, wird unsere Aufmerksamkeit auf die Realität gelenkt, die sich hinter den perfekt designten Produktkartons im Supermarkt verbirgt. Dass Salat der 10 Cent weniger kostet, Tomaten die man im Winter essen will und massenhaft konsumiertes Billigfleisch, das wir glauben zu brauchen den Preis hat, dass Menschen wie Maschinen arbeiten müssen und Tiere der Freude am Leben und ihrer Würde beraubt werden, das weiß eigentlich jeder. Aber spüren tun wir es nur wenn wir unsere Sinne dafür öffnen und unsere Aufmerksamkeit darauf legen.


Nikolaus Geyrhalter: "Ich glaube, dass das Alleingelassen - Sein, das Selber-Schauen-, Hören- und denken-müssen dem Film hilft - und auch dem Zuschauer hilft, wirklich dem Thema näher zu kommen. ... Wichtig ist es einmal zu spüren, welche Stimmung in diesen Betrieben ist, wie dort gearbeitet wird. Das kann man gar nicht mit Worten erklären, das muss man erlebt und gespürt haben. Und dieses Empfinden wollte ich im Kino soweit das geht nachvollziehbar machen. Und es ist auch ein zurückgeben der Verantwortung an den Zuschauer."

Zum Glück haben wir einen tollen Chef der österreichischen Filmförderung. In einer Vorlesung an der Filmakademie hat er auf die selbstgestellte Frage, was denn der Unterschied zwischen Fernsehen und Kino sei, geantwortet: "Ich glaube der Unterschied ist, dass man im Kino noch die Wahrheit sagen darf." Und dann schmunzelnd: "Zumindest für 90 Minuten und eine Woche Spielzeit."

Alles Liebe, Sonja
Unser täglich Brot